Evangelisch-Lutherische
Kirchengemeinde
Markt Schwaben
Header - Glaskreuz, Markt Schwaben / Glasfenster, Poing

Informationen im Trauerfall

trauerfall

Gerade bei einem Trauerfall will Ihr Pfarrer / Ihre Pfarrerin Ihnen helfen. Da steht man unter ungeheurem Druck, soll unheimlich viel entscheiden. Vielleicht können die folgenden Erwägungen Ihnen helfen, sinnvoll zu entscheiden.

1. Ein Mensch ist sterbenskrank. Ihr Pfarrer/Ihre Pfarrerin kann begleiten.

Manches Mal stirbt ein Mensch ganz plötzlich. Da gibt es keine Zeit der Vorbereitung. Aber manches Mal kündigt sich ein Abschied über Wochen, über Monate an. Häufig ist es so: der Kranke und die Angehörigen wissen, dass der Abschied naht. Aber es fällt schwer, darüber zu sprechen. Dabei täte es so gut, wenn noch einmal die Wertschätzung zur Sprache käme, wenn alte Missverständnisse, ja auch alter Zorn ausgeräumt würde.
Sie können versuchen, sich selbst einen Ruck zu geben. Sie könnten aber auch Ihren Pfarrer/Ihre Pfarrerin ins Haus bitten. Oft spricht sich' s leichter, wenn ein dritter da ist; gar noch einer, dem aufgetragen ist, zu schweigen und: Vergebung zuzusprechen.

Und wenn es so weit ist: Ihr Pfarrer/Ihre Pfarrerin ist bereit, den Sterbenden und die Angehörigen in der Sterbestunde zu begleiten. (Jedenfalls soweit er/sie erreichbar ist, teilen können wir uns natürlich nicht und mögen bei einem dringenden Anruf auch einmal weg sein und erst nach 5 oder 8 Stunden zurück sein; hier müssen wir um Verständnis bitten.)
Andererseits: Wir Pfarrer werden nicht zu oft, wir werden viel zu wenig in ein Sterbehaus gerufen. Darum: Haben Sie Mut anzurufen, in Markt Schwaben 40040, in Poing 97 17 36. Was kann Ihr Pfarrer/Ihre Pfarrerin tun? Einmal wird er/sie dem Sterbenden durch ein Gebet und durch den Segen helfen, den Übergang getrost zu gehen, und er wird versuchen, auch den/m Angehörigen sensibel beizustehen, versuchen, diese schwierigen Stunden zu bestehen.
Und: Wenn noch Zeit ist, kann auch gerne das Abendmahl gefeiert werden.

2. Ein Mensch ist gestorben. Woran sollten Sie denken?

a)Zu verständigen sind
Hausarzt und wenn Sie möchten Ihr Pfarrer/ ihre Pfarrein) –
Bestatter –
Pfarrer/ Pfarrerin (mindestens telefonisch) –
Gemeinde –
Bestatter –
Pfarrer/ Pfarrein (Gespräch).

Es ist sinnvoll und gut, dass Sie bei einem sich ankündigenden oder bei einem plötzlichen Tod eines Angehörigen zuerst Ihren Hausarzt (oder einen Arzt des Bereitschaftsdienstes, evt. auch Notarzt) rufen.

Auch Ihr Pfarrer/ Ihre Pfarrerin  kommt  gerne ins Haus.

Danach ist wichtig der Bestatter. Er holt den Verstorbenen ab und vereinbart mit Ihnen einen Termin für ein Gespräch über die Bestattung. Da wird z.B. festgelegt, wo und wann und auf welche Weise die Bestattung (Feuer- oder Erdbestattung) stattfindet, wo Anzeigen erscheinen sollen, ob und wie viele Karten zu drucken und zu verschicken sind u. v. m.

Wenn Sie bis zu diesem ausführlichen Klärungsgespräch mit dem Bestatter Ihren Pfarrer noch nicht verständigt haben, wird es der Bestatter während dieses Gespräches tun und eine Terminbestätigung der Beerdigung haben wollen.
Es wäre aus unserer Sicht in Ihrem Interesse besser, Sie würden vor diesem Gespräch Ihren Pfarrer/ Ihre Pfarrerin anrufen. Da könnte es bereits eine Vorklärung geben über das Datum der Bestattung und über den Ort.

Denken Sie daran: Sie stehen bei einem Todesfall unter wahnsinniger Anspannung. Da hat man nicht sofort alle Möglichkeiten vor Augen, muss aber rasch entscheiden.

Wenn Sie den Pfarrer/ die Pfarrerin vor dem Gespräch mit dem Bestattungsunternehmer anrufen, kann auch vorab geklärt werden, wo die Trauerfeier stattfinden soll: Die Regel ist, dass wir in Markt Schwaben und in Poing in unsere evangelischen Kirchen gehen, in den anderen Orten beginnen wir in den katholischen Kirchen. Anschließend nehmen wir in der Aussegnungshalle und am Grab Abschied.
All diese Fragen besprechen Sie am besten vor dem Gespräch mit dem Bestatter mit Ihrem Pfarrer. Wenn Sie mit dem Bestatter einmal etwas festgelegt haben, sind Änderungen meist schwierig. Nach den vorab mit Ihrem Pfarrer geklärten Fragen legen Sie dann mit dem Bestatter Termin und Ort der Trauerfeier, Art der Bestattung usw. fest.

Zwei bis drei Tage nach dem Tod treffen Sie sich dann mit Ihrem Pfarrer zum Beerdigungsgespräch. Dazu kommen wir zu Ihnen oder je nach Vereinbarung Sie zu uns ins Pfarramt.

b)Überlegungen zur Feuerbestattung
Trauerfeier in München oder bei uns?
Da hat sich z.B. der Verstorbene für eine Feuerbestattung entschieden. Es mag sein, dass das Beerdigungsinstitut eine Trauerfeier im Krematorium Ostfriedhof empfiehlt. Natürlich ist es eine Möglichkeit, dort die Trauerfeier abzuhalten.
Aber: Werden die Nachbarn, werden die Freunde dort auch Abschied nehmen können? Haben Sie bedacht, dass es durchaus möglich und üblich ist, eine Trauerfeier vor Ort zu gestalten, ohne Sarg in einer unserer Kirchen und mit Sarg in der Aussegnungshalle?
Wenn Sie das vorher mit Ihrem Pfarrer besprochen haben, dann kennen Sie die Möglichkeiten, und können dann bewusst entscheiden.
Und natürlich begleiten wir Sie auch zum Krematorium Ostfriedhof, wenn Sie das wollen - obwohl uns zugegeben einige Gegenargumente einfallen, z.B. die äußerst knapp bemessene Zeit in den Aussegnungshallen Münchens, die Kosten der Aussegnungshalle und noch manches andere.

Trauerfeier und Urnenbeisetzung in einem, nach 6 Wochen?
Der Verstorbene hat sich für eine Feuerbestattung entschieden und "will, daß nichts Großes gemacht wird". Manches Bestattungsinstitut meint dann: Machen wir doch Trauerfeier und Urnenbeisetzung "auf einen Aufwasch ", also ca. 6-7 Wochen nach dem Tod.
Wenn hinter diesem Wunsch Ihr fester Wille steht, werden wir uns Ihrem Willen beugen. Aber wir geben Ihnen zu bedenken: Soll Ihr Verstorbener "einfach so" aus seinem Heimatort gefahren werden, soll Ihnen, den Verwandten und Freunden erst nach ca. 6 Wochen eine Gelegenheit zum Abschied gegeben werden?
Ich habe die meisten dieser Trauerfeiern nach 6 Wochen in sehr zwiespältiger Erinnerung: Da sind die Nachbarn und Freunde - die sind schon wieder zur Tagesordnung übergegangen. Und da ist die Witwe, die nach 6 Wochen den Schmerz des Todes und der Trauer voll durchleidet. Sie spürt voll den Abgrund, durch den sie von den anderen getrennt ist. Gewiss- es wird immer so sein, dass die Intensität der Trauer verschieden ist - aber nach 6 Wochen ist es oft extrem schwierig, die Tröstung zu erfahren, die man auf einer Trauerfeier nach 3-5 Tagen durch die Mittrauernden erlebt. Und "auf einen Aufwasch" - nein, da sind uns die Menschen zu wertvoll, zu wichtig, als dass es darum gehen sollte. Und es werden auch keine zusätzlichen Gebühren durch die Kirchengemeinde erhoben.

3. Das Beerdigungsgespräch.

Zuerst gilt: Sie als Angehörige(r) sollen sich aussprechen, auch ausweinen dürfen. Ihre Gefühle sind zuerst wichtig; darum werden Sie als Angehörige(r) den Verlauf des Gespräches bestimmen.

Dann aber dient das Beerdigungsgespräch auch der Vorbereitung der Trauerfeier. Im Allgemeinen wird dabei auch der Lebenslauf des Verstorbenen eine Rolle spielen. Denn weil Gott unser Leben ernst und wichtig nimmt und weil das Leben eines jeden Menschen wichtig ist, darum soll in der Trauerfeier auch das Leben des Verstorbenen bedacht werden. Ihr/e Pfarrer/in wird darum nach wichtigen Lebenseinschnitten fragen, nach Höhepunkten, nach schmerzlichen Ereignissen im Leben. Vielleicht gibt es auch Schlüsselereignisse/ Schlüsselgeschichten, die ein besonderes Licht auf das Leben werfen. Schön, wenn der Pfarrer sie erfährt. Und bitte glauben Sie Ihrem/r Pfarrer/in auch, dass er/sieda,ot vertraut ist, dass es im Leben eines Menschen auch Schatten gibt. Er/sie wird sehr behutsam mit Informationen umgehen, die den Verstorbenen in weniger freundlichem Licht zeigen.

Bitte verschweigen Sie auch die kritischen Punkte nicht - und vermeiden Sie damit, dass der Pfarrer tollpatschig in ihm nicht bekannte Fettnäpfe tritt. Besser Sie nennen ihm die Fettnäpfe. Und wo es mehr Dunkelheit gibt: Bitte verschweigen Sie sie nicht. Warum?

Stellen Sie sich vor: Da ist jemand an Drogen gestorben - die Angehörigen verschweigen das schamhaft dem Pfarrer, malen einen tragischen Unglücksfall aus. Bei allen anderen, die zur Trauerfeier kommen, ist der Drogenkonsum aber bekannt. Was ergibt sich dann? In der Ansprache fehlt das entscheidende ehrliche Wort; es kann nicht einmal zu einem Ansatz einer Versöhnung kommen; die Predigt wird unwahr - die Beerdigung wird verlassen mit dem unguten Gefühl "es wird nirgends so sehr gelogen wie bei Beerdigungen".

Mag sein, die Leute reden verächtlich vom Pfarrer, der die entscheidende Information nicht bekommen hatte. Nun, der Pfarrer wird und muss es überleben. Weit schlimmer ist, dass solch ein Verschweigen die Trauer der Angehörigen vergiftet. Kein Ansatz der Versöhnung - das bedeutet nicht einfach, da fehlt ein Schritt zur Heilung. Sondern es wurde ein weiterer Schritt zur Verhärtung getan. Ein weiterer Schritt zur Vergiftung des Lebens. Das - wünschen Sie sich bestimmt nicht, und wir, Ihre Pfarrer/innen Ihnen erst recht nicht.

Keine Sorge - der Pfarrer/ die Pfarrerin wird sich nicht auf die dunklen Seiten des Lebens stürzen; vielmehr werden die hellen viel mehr bedeuten: das, wofür sich der Verstorbene engagiert hat, wofür er sich interessiert hat, wen und was er geliebt hat. Wie er mit seinen Fähigkeiten und Gaben anderen zum Licht wurde, und welchen Menschen er in seinem Leben viel zu verdanken hatte, die ihm zu einem Licht geworden sind.

In der Traueransprache/Beerdigungspredigt soll das Leben des Verstorbenen ins Licht der Liebe Gottes gestellt werden. Konkret geschieht das so, dass der Pfarrer ein Bibelwort wählt. Hier kann z.B. der Konfirmationsspruch - oder der Trauspruch - den persönlichen Bezug verstärken. Wenn Sie solche Unterlagen für Ihren Verstorbenen haben, teilen Sie das bitte Ihrem Pfarrer mit.

Natürlich wird auch der Ablauf des Trauergottesdienstes mit Ihnen besprochen werden. Dazu gehört die musikalische Umrahmung. Wollen Sie eine/n Solisten/in, eine Musikgruppe? Soll Musik mittels eines CD-Players/eines Kassettenrecorders gespielt werden? Soll gesungen werden? Natürlich hängen diese Fragen auch davon ab, wie viele Personen bei der Beerdigung sind. Sind 10 da, ist der Gesang vielleicht etwas kläglich. Erwarten Sie 30 Personen, dann kann es schon ganz gut klingen - und Sie könnten den Gesang auch als tröstlich empfinden.
Und dann können Sie auch die Fragen der Beerdigung, die Sie sonst bewegen, mit Ihrem Pfarrer besprechen.

4. Wie ist das mit der Beerdigung?

a) Ablauf

Folgendermaßen sieht der Standardablauf eines Gottesdienstes bei einer Bestattung aus - hier als Beispiel die Erdbestattung; bei der Feuerbestattung sind nur einige Elemente am Grab in die Aussegnungshalle verlegt.

  • Musik
  • Begrüßung und Bibelwort
  • (Lied)
  • Gebet oder Psalmgebet
  • Worte der Bibel
  • (Lied oder Musik)
  • Predigt
  • (Lied oder Musik)
  • Gebet
  • Abschiedswort
  • Aussegnung
  • Aufbruch (zum Friedhof oder, bei Erdbestattung zum Grab)
  • (Bei Gottesdienst in der Kirche erfolgt die Aussegnung in der Aussegnungshalle.)
  • Gang zum Grab.
  • Versenken des Sarges im Grab.
  • Wort aus der Bibel, das die Auferstehung von den Toten verheißt.
  • Bestattungswort, mit Erdwurf. (Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staube. Wir vertrauen dich der Liebe Gottes an. Friede sei mit dir von Gott dem Vater und dem +Sohne und dem Heiligen Geist.)
  • Lesung aus der Bibel: Verheißung der neuen Erde und des neuen Himmels.
  • Gemeinsames Gebet: Vaterunser.
  • Segen.
  • Eventuell:  Würdigungen von Vereinsvorständen, Arbeitgebern, u. a.

Was gilt es zu bedenken?

b) Stühle am Grab

In den Kirchen gibt es viele, in den Aussegnungshallen mindestens einige Stühle. Am Grab keine - wenn man das nicht organisiert. Haben Sie gebrechliche Angehörige, so besprechen Sie das mit dem Bestatter oder Ihrem Pfarrer - dann werden Stühle ans Grab gebracht.

c) Beileidsbezeugungen

Wie ist das mit den Beileidsbezeugungen? Gewiss, eine Beerdigung ist schon anstrengend genug, und wenn Sie sicher sind, dass Sie die Belastung der Beileidsbezeugungen nicht mehr packen, dann sagen die Pfarrer auch gerne: "Familie X bittet, von Beileidsbezeugungen Abstand zu nehmen." Und natürlich werden Sie dafür volles Verständnis Ihrer Nachbarn und Freunde bekommen.

Andererseits geben wir auch zu bedenken: Wenn Ihre Nachbarn und Freunde Ihnen sagen dürfen, wie viel der/die Verstorbene für sie bedeutet hat, wenn sie einfach sagen dürfen, "mein Beileid", dann tun Sie etwas Hilfreiches für die Kommunikation mit Ihren Freunden und Nachbarn.

Sie entgehen damit auch vielen späteren Einzelgesprächen, Sie vermeiden auch manche zusätzliche Unsicherheiten im späteren Umgang. Da fragen sich Ihre Freunde und Nachbarn nämlich: "Darf/soll ich jetzt kondolieren? Oder soll ich lieber gar nicht daran rühren?" Aber es ist schwierig, wenn man an so etwas Einschneidendes wie den Verlust eines Menschen nicht rühren darf, wenn man sein Beileid nicht artikulieren darf.

Zugegeben, das Beileid aussprechen, das geschieht meistens hilflos, aber ist das nicht der richtige Umgang mit etwas, was uns so hilflos macht wie der Tod? Einfach ein Bericht: Viele Menschen sagen uns: "Es war gut, dass ich mich da hingestellt habe, dass ich am Grab die Anteilnahme gespürt habe, gespürt habe, wie sehr er/sie geschätzt worden ist - das tröstet mich."

Wenn Sie es sich zutrauen, tun Sie sich gewiss etwas Gutes. Wenn Sie aber genau wissen, dass Sie das nicht aushalten können, dann haben Sie auch unser Wort: "Familie X bittet, von Beileidsbezeugungen Abstand zu nehmen."

d) Kann ein Angehöriger mitwirken?

Aber gewiss. Es können Enkel ihrem Großvater danken, es kann ein Dank- und Fürbittengebet formuliert und gebetet werden, es kann ein kurzfristig zusammengestellter Familienchor singen, es können Angehörige ein Musikstück darbringen. Wir freuen uns, wenn Sie sich und Ihre Ideen einbringen.

e) Würdigungen

Gerne kann auch ein Vertreter eines Vereins oder ein Beauftragter des Arbeitgebers oder ähnliche einige Worte der Würdigung sprechen. Im Allgemeinen werden diese Worte am offenen Grab gesprochen - nach dem Segen. Es gibt aber auch Gründe, solche Würdigungen in der Aussegnungshalle zu sprechen (z.B. bei starkem Regen). Es ist gut, wenn dem Pfarrer /der Pfarrerin bekannt ist, dass  solche Würdigungen gesprochen werden sollen. Er/sie kann sie dann angemessen einplanen.

f) Urnenbeisetzung

Nach einer Trauerfeier mit Feuerbestattung wird die Urnenbeisetzung meistens 6-8 Wochen später erfolgen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn auch bei der Urnenbeisetzung zu Gott gebetet wird. Ihre Pfarrer begleiten sie dabei gerne. Nach bereits erfolgtem Abschied in einer Trauerfeier ist für die Urnenbeisetzung nicht mehr allzuviel Zeit anzusetzen.

5. Was macht man nach der Beerdigung?

Hier kommt es darauf an, wie viele Trauergäste Sie erwarten. Sind wenige da, können Sie sie direkt ansprechen und anschließend zum Kaffee oder was immer einladen. Erwarten Sie eine größere Zahl von Trauergästen, sollten Sie überlegen, eventuell in eine Gaststätte einzuladen.

Manche fragen: Soll daraus nun ein Fest werden? Gewiss nicht. Sie brauchen das nicht opulent aufblähen. Aber eine Stätte der Begegnung ist hilfreich. Denn in der vorausgehenden Bestattung hat meist der Pfarrer allein das Wort geführt. Da ist es gut und hilfreich, wenn die Trauernden sich nun gemeinsam erinnern; einander vom gemeinsamen Leben erzählen.

6. Wenn ich in meiner Trauer in ein tiefes Loch falle.

Trauer ist oft eine schwere Aufgabe. Man hat deshalb das Wort "Trauerarbeit" geprägt, um anzudeuten: Da geschieht nicht nur passiv an mir etwas, da bin ich auch gefordert, das kostet Energien. Da ist es immer gut, wenn man Menschen hat, die einen verstehen, mit denen man sich austauschen kann. Gut, wenn man verlässliche Freunde hat.

Oft hilft es aber auch, wenn man sich in einer Gruppe von Menschen austauscht, die ebenfalls einen nahen Angehörigen verloren haben. Es gibt daher verschiedene Trauergruppen. Oft sind sie in den Ortsnachrichtenblättern verzeichnet. Sonst fragen Sie Ihren Pfarrer /Ihre Pfarrerin; er/sie wird Ihnen Gruppen nennen können.

7. Und wenn jemand sich selbst getötet hat? Kirche und Suizid.

Man hat das vielleicht in einem Film gesehen oder gehört: Selbstmördern wurde früher eine kirchliche Bestattung verweigert. Dafür schämen wir uns heute. Ja, damit hat sich die Kirche hochmütig an verzweifelten Menschen versündigt und den verzweifelten Hinterbliebenen noch mehr Leid aufgebürdet.

Ohne Zweifel: Uns ist das Leben wertvoll. Es ist unsere tiefe Überzeugung, dass das Leben zu schützen ist, dass es einen Sinn hat, dass es nicht abgebrochen werden soll.

Aber wir wissen auch, dass viele Menschen dann, wenn sie zu diesem angeblich letzten Mittel ihrer Freiheit greifen in Wahrheit zutiefst unfrei, zutiefst verzweifelt und eingeengt sind. Wir möchten auch alle, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Leben auszulöschen, um ein Gespräch bitten, um Aufschub, um die Chance, den Wert des Lebens wieder aufleuchten zu lassen.

Wo aber traurige Fakten geschaffen sind, da dürfen Sie als Hinterbliebene in uns Pfarrern auf verständnisvolle und einfühlsame Menschen hoffen. Wir haben eine Ahnung, was Hinterbliebenen mit dem Suizid eines Angehörigen aufgeladen ist und werden alles tun, um die Last wo immer möglich zu erleichtern. Ganz außer Zweifel steht, dass  eine kirchliche Bestattung stattfinden kann und aus unserer Sicht stattfinden soll.

8. "Es fragt sowieso keiner nach mir." Bestattung im anonymen Gräberfeld?

Vor allen in Großstädten haben Urnenbestattungen in anonymen Gräberfeldern stark zugenommen. Eine Wiese, ein Baum, und unter der Grasschicht Platz für Tausende von Urnen. Ein Modell, eine Großstadt leicht zu entsorgen?

Urnenbeisetzungen im anonymen Gräberfeld sind zudem billig. Die Urnen lässt man stehen, bis 200 - 300 zusammengekommen sind. Dann ein Loch - und schon ist alles erledigt. Sie merken schon: Hier schreibt einer, der gegen diese Entwicklung ist.
Aber gibt es nicht Gründe, sich anonym bestatten zu lassen?
In Ausnahmefällen könnte ich solche Gründe anerkennen. Ich kenne Menschen, die alle Verwandten überlebt haben; etwa eine alleinstehende Frau, die 96-jährig im Altersheim Nichten und Neffen überlebt hat und die als letzte von ihrem ehemals großen Freundeskreis übrig geblieben ist. Es gibt Schicksale, wo man die Verfügung verstehen kann: Ich habe niemand mehr; meine Urne soll einmal auf einem anonymen Gräberfeld bestattet werden.
Aber viel öfters sind es nicht solche Schicksale, sondern andere Motive. "In einem anonymen Gräberfeld braucht es keine Grabpflege mehr. Und sowieso - wenn einer sich an mich erinnern will, dann hat er ja Fotos."
Mag sein; aber erst wenn man den Tod eines nahen Angehörigen erlebt hat, weiß man, wie hilfreich es ist, einen Ort zu haben, zu dem man gehen kann. Und an ein Grab gehen keineswegs nur "religiöse" Menschen. So viele Männer haben mir schon gesagt, wie tröstlich es für sie ist, an das Grab ihrer verstorbenen Frau gehen zu können. An diesem Ort ihr Leben, ihre Probleme meditieren zu können - und weiterzukommen. "Fand ich bei anderen früher immer abartig, auf den Friedhof zu gehen. Dort ist sie ja bestimmt nicht“, sagte mir kürzlich ein Witwer. "Aber in den ersten Wochen, da bin ich jeden Tag auf den Friedhof gegangen. Ich brauchte einfach diesen Ort, wo ich mich ihr nahe fühlen konnte. Jetzt gehe ich nur noch einmal die Woche hin, aber das muss sein." Und weil er bei ihrem Tod überlegt hatte, ob sie auf ihrem weit entfernten Heimatort begraben werden sollte, fügte er an: "Ach, bin ich froh, dass wir sie damals nicht in A. begraben haben. Ich hätte nicht gedacht, wie sehr ich ihr Grab in der Nähe brauche."

Trauernde brauchen Orte, zu denen sie gehen können. Einen Namen, der an den Verstorbenen erinnert. Dramatisch die Erzählung einer jungen Frau: "Keine Trauerfeier, keine Bestattung, nichts wollte mein Vater. Ich weiß nicht einmal, ob er auf dem anonymen Gräberfeld auf dem Waldfriedhof oder Südfriedhof beerdigt ist. Er ist einfach weg, als ob er nie da gewesen wäre." Ich fragte nach, ob sie großen Streit gehabt hätten. "Nein, aber er meinte, mit dem Tod ist doch eh alles aus. Er sah das immer nur technisch. Wo kein Leben mehr ist, bleibt vom Menschen nur noch Abfall. Was soll der ganze Zirkus mit Beerdigung und so, meinte er immer." Nun, der "Zirkus" des Abschieds, die Trauerfeier, das Grab, der Grabstein oder die Grabplatte - die helfen, den Abschied zu bewältigen. Sie helfen ihn zu bewältigen, indem in der Trauerfeier deutlich wird: Dieser Mensch, um den wir trauern, der war und ist uns wichtig.
Das Grab und der Name auf Grabstein oder Grabplatte zeigt: Dieser Mensch war bei uns, hat uns etwas gegeben, hat in seinem Leben gekämpft, etwas geschaffen, Liebe empfangen und gegeben. Seiner wird gedacht. Und da ist ein Ort, wo seiner gedacht werden kann. Die Tochter hat die anonyme Bestattung als schwere Strafe erlebt; sie bedurfte psychotherapeutischer Behandlung - und dann war gar nichts mehr gespart. Der Vater hatte - und ich habe Gründe, ihr das abzunehmen - aus Gedankenlosigkeit und aus seinem "technischen" Denken heraus seiner Tochter großes Leid zugefügt. Sie konnte nicht damit fertig werden, dass er sich als "Abfall" bezeichnete. Sie fühlte sich zunehmend selbst als Abfall.
Im anonymen Gräberfeld steht nicht weniger als die Würde des Menschen auf dem Spiel. Und sie hat es an sich, dass man ihrer häufig erst dann ansichtig wird, wo sie verletzt wird.
"Es fragt sowieso keiner nach mir." Wollen Sie Ihre Angehörigen bestrafen, weil Sie sie zu wenig besuchen? Darum anonyme Bestattung? Wollen Sie das: Aus dem Gefühl der Unzufriedenheit heraus Ihren Angehörigen eins überbraten? "Nehmen wir Abschied - im Frieden." Wollen Sie das unmöglich machen? Oder sagen Sie: "Dann haben die keine Last mehr mit mir." Nicht die Last der Grabpflege, mag sein. Aber was wiegt schwerer: Die Last der Grabpflege oder die Last des Unfriedens? Sie kennen die Antwort bestimmt. Mag sein, dass  Sie mehr Liebe von Ihren Angehörigen erwarten könnten. Mag sein, dass Ihre Angehörige Defizite haben. Aber müssen Sie Defizite so unbarmherzig abstrafen? Unwiderruflich?
Ermöglichen Sie Ihren Angehörigen und Freunden, zu trauern. Ermöglichen Sie einen Abschied im Frieden. Ermöglichen Sie einen Ort, wo man Ihrer in besonderer Weise gedenken kann und gedenkt. Ein Grab, mit Grabstein und Grabplatte, mit Ihrem Namen. Ihr Name ist wichtig. Sogar im Himmel. Aber auch auf Erden.

Etwas ausführlich sind diese Hinweise geworden. Wir hoffen, Sie haben Ihnen geholfen. Wenn Sie meinen, es sollten weitere Fragen in diesem Zusammenhang erörtert werden, bitte schreiben, telefonieren  oder mailen Sie uns.

12.8.15 Fuchs.

Logo

Service


Im Trauerfall – Gliederung


Adressen

Pfarramt Markt Schwaben
Martin-Luther-Straße 22
85570 Markt Schwaben
Telefon: 0 81 21 - 4 00 40
Fax:       0 81 21 - 4 69 45

Mail ans Pfarramt

 


Von unserer evangelischen Kirche:

www.trauernetz.de